19. September 2020

„Kahlschlag ungeahnten Ausmaßes“: Mittelständler sehen Existenz bedroht

Quelle: jungefreiheit.de

BERLIN. Mehr als die Hälfte der Mittelständler in Deutschland sieht ihre wirtschaftliche Existenz bedroht, sollte der Corona-„Shutdown“ mehrere weitere Wochen andauern. 51 Prozent der Unternehmen gaben an, vor dem Aus zu stehen, wenn die Einschränkungen weitere vier Wochen gelten, ergab eine Umfrage des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), die dem Handelsblatt vorliegt.

Mehr als drei Viertel der Unternehmen und Selbstständigen (76 Prozent) bekundeten, daß die bisher ausgezahlten Hilfen nicht ausreichen würden, um ausreichend liquide zu sein. Dem BVMW zufolge haben 50 Prozent der befragten Betriebe staatliche Soforthilfen beantragt. Mehr als jedes dritte Unternehmen plant, Kurzarbeitergeld in Anspruch zu nehmen. Rund jede fünfte Firma nutzt das Aussetzen von Steuervorauszahlungen oder Steuerstundungen.

Verbandspräsident: Kredite allein reichen nicht

Verbandspräsident Mario Ohoven warnte gegenüber dem Blatt, mit Krediten allein sei den Mittelständlern jedoch nicht nachhaltig geholfen, da sie die Schuldenlast weiter erhöhten und somit eine Insolvenz häufig nur in die Zukunft verlagert werde. „Der Mittelstand braucht jetzt einen Dreiklang aus einem konkreten Exit-Fahrplan, raschen Liquiditätshilfen sowie einem Konjunkturprogramm mit nachhaltigen Steuersenkungen.“ Andernfalls drohe „ein Kahlschlag ungeahnten Ausmaßes“.

Laut dem Bundeswirtschaftsministerium erwirtschaften mittelständische Unternehmen mehr als jeden zweiten Euro in Deutschland. Ihr Anteil an der Nettowertschöpfung beträgt 53,5 Prozent. 99,5 Prozent der Betriebe in Deutschland sind klein- oder mittelständische. Mehr als jeder vierte Auszubildende lernt in einem solchen Betrieb. 60 Prozent aller Arbeitsplätze werden von ihnen gestellt. (ls)

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