10. Juli 2020

Predigtwort für Sonntag, 22. März, zu Jesaja 66,10-14

Pfarrer Marc Schneider, Screenshot Video

 

Liebe Gemeinde,

was macht euch Freude? Ich sitze hier in unserem idyllischen Pfarrgarten. Schon einige Tage freue ich mich an diesem wunderschönen Meer aus Krokussen. Ein richtiger violetter Teppich breitet sich um mich her aus. Unglaublich schön! Violett, das ist auch die Farbe der Passionszeit, in der wir uns befinden. Wenn wir an die Passionszeit denken, die Zeit in der es um das Leiden und Sterben von Jesus Christus geht, dann ist Freude nicht gerade das erste Stichwort, was mir einfällt.

Aber heute am Sonntag Lätare, mitten in der Passionszeit, steht die Freude im Vordergrund. „Lätare“, das bedeutet übersetzt: „Freut euch!“ Was macht euch Freude? Gerade gibt es, glaube ich, auch so einige Dinge, die einem die Freude eher verderben können. Das leere Toilettenpapier-Regal zum Beispiel. Nein, Scherz beiseite. Es ist tatsächlich eine Zeit, die viele innerlich umtreibt. Eine Situation, die wir so noch nie erlebt haben und die unsicher macht. Manch einer erlebt es auch als besonders schmerzhaft, in seinen alltäglichen Beziehungen so stark eingeschränkt zu werden. Dennoch Freude? Was gibt uns Anlass zur Freude? Zur Freude werden wir auch in unserem Predigtwort aufgefordert. Es steht beim Propheten Jesaja im 66. Kapitel, die Verse 10-14. Das Volk Israel erlebt, dass Gott sich ihm ganz besonders zuwendet. Nach einer langen Zeit, wo sich die Menschen gefragt haben: Hat uns Gott verlassen? Sind wir gott-los? Erleben sie nun: Nein, er ist da, er sorgt für uns. Dafür gebraucht der Prophet ein wunderschönes Bild: Gottes Fürsorge ist wie die einer Mutter, die sich um ihr Baby kümmert. Ich habe höchsten Respekt vor allen Müttern und Vätern, die sich so rührend um ihre Kleinen kümmern. Babys sind, so mein Eindruck, ziemlich fordernd und in ihren Bedürfnissen auch sehr direkt: Nahrung, Schlaf, Nähe. Nahrung, Schlaf, Nähe. Und so weiter. Wir Erwachsenen denken manchmal, wir wären sehr komplex. Gerade in herausfordernden Zeiten werden wir wieder auf die Grundbedürfnisse verwiesen, die wir alle haben.

Gottes Fürsorge, so sagt es uns der Prophet, ist wie die einer Mutter. Gott weiß, was uns umtreibt. Er ist es, der für uns sorgt. Er sieht unsere Bedürfnisse und er weiß, was wir brauchen. Ich glaube sogar, er weiß es besser als wir manchmal selbst. Er weiß auch um das Loch in unserem Herzen, das nur er füllen kann. Er weiß um das, was wir brauchen, auch da, wo wir den Mangel gerade bewusst erleben und erleiden.

Auch was uns als Gemeinde angeht, erleben wir ja gerade einen Mangel an Gemeinschaft. Manche treibt der Gedanke um, wie das jetzt weitergeht. Auch mit unserer Gemeinde und der Gemeindearbeit. Keine Gruppen und Kreise, keine Gottesdienste. Ich bin überzeugt, dass unsere Zeit uns vor besondere Herausforderungen stellt, auch in unserem Miteinander in der Stadt und in den Dörfern. Sicher müssen wir gerade neue Lösungen stricken, wie wir Gemeinde leben. Aber, was die Gemeinde von Jesus grundsätzlich angeht, mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Jesus sagt: „die Pforten der Hölle werden meine Gemeinde nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Was für eine Zusage. Was für ein Grund zur Freude, die Pforten der Hölle werden meine Gemeinde nicht überwältigen“, dann wird es sicher auch dieser Virus nicht tun. Weltweit nicht, und bei uns auch nicht.

Ich habe keine Sorge, dass die Einschränkungen, die wir erleben, Gemeinde zerstören können. Ich mache mir mehr Gedanken darüber, ob diese Zeit uns neu ins Bewusstsein ruft, wie sehr wir Gott brauchen. Ja ich bete in dieser Zeit auch darum, dass Gott diese Pandemie eindämmt, die Gefahr abwendet und die Kranken wieder gesund macht. Aber ich bete auch und noch viel mehr darum, dass diese Zeit uns immer weiter in Gottes fürsorgliche Arme treibt. Ich mache mir mehr Gedanken darüber, dass es zu viele Menschen kalt lassen könnte, was passiert. Dass, sobald die Corona-Krise vorbei ist, alles wieder zur Tagesordnung übergeht. Zu anderen Zeiten wussten die Menschen: Wenn herausfordernde Zeiten über die Welt hereinbrechen, dann ist das immer auch ein Rufen und Klopfen Gottes an unsere Herzenstür.

Manch einer freut sich in diesen Tagen an der Ruhe, die ins Leben einkehrt und das ist auch wirklich ein unerwartetes Geschenk in unserer rasend schnellen und manchmal auch atemlosen Zeit. Wir haben es in der Hand, wie wir diesen Leerraum füllen. Und ob wir Gott bitten, ihn zu füllen. Ich wünsche mir, dass wir in dieser Zeit erleben, dass Gott uns versorgt und dass wir die Nähe und den Trost unseres himmlischen Vaters erleben, wie ihn das Volk Israel erlebte. Auf eine Weise, die uns tiefe, innere Freude schenkt, die wir nicht für uns behalten können. Freude, das ist aber auch manchmal „nur“ Vorfreude. Auch das Volk Israel erlebte ja immer wieder Zeiten, die ihnen Anlass zur Trauer und zum Klagen gegeben haben und nicht zur Freude. In dieser Durststrecke war allerhöchstens ein Funke Vorfreude da, ausgelöst durch die Botschaft der Propheten: Es wird eine Zeit kommen, da wird sich Gott wieder über uns erbarmen, uns helfen und eingreifen.

Hier feiern wir sonst Gottesdienst zusammen und empfangen den Leib und das Blut des Herrn. Das ist uns gerade nicht möglich und das schmerzt. Wie wäre es aber, wenn die Zeit, die wir gerade erleben, in uns eine tiefe, innere Vorfreude wachsen lässt? Eine Vorfreude darauf, wieder am Abendmahl teilzunehmen und wieder die Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern zu erleben? Vielleicht ist diese Zeit am Ende eine Hilfe, so dass wir das, was wir sonst als selbstverständlich erachten, wieder neu schätzen lernen. Dann ist die Zeit am Ende vielleicht sogar ein Segen, weil uns neu bewusst wird, was wir wirklich brauchen.

Freude wird dadurch größer, indem wir sie teilen und uns miteinander freuen. So ist es ja auch in unserem Predigtwort. Da ist einer so begeistert, dass er uns zuruft: „Freut euch mit mir, Freut euch mit dem Volk Gottes!“ Dazu möchte ich heute einladen. Schreibt mir gerne bis Freitag eine Mail, eine Nachricht übers Handy oder ruft mich an. Erzählt mir davon, was euch in diesen Tagen trotz allem Anlass zur Freude gibt. Gern möchte ich all die Sachen, die uns in dieser Zeit Freude machen, sammeln und auf der Webseite einstellen, sodass wir uns miteinander freuen können. Vergesst bei alledem nicht: „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10)


Pfr. Marc Schneider, 03594-7797276, 01573-6293165, marc.schneider@evlks.de

Diese Predigt als Video und weitere Texte, Lieder und Gebete für den Gottesdienst zu Hause unter:www.christusbote.de/gottesdienst-in-corona-zeiten/

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