17. November 2018

Landesbischöfin verteidigt Lutherzwerge

Quelle: idea.de

Nach Kritik hat sich die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, nun hinter die umstrittene Kunstaktion gestellt.

Nach Kritik hat sich die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann, nun hinter die umstrittene Kunstaktion gestellt.

Leipzig (idea) – Die Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Ilse Junkermann (Magdeburg), hat die umstrittene Installation der Lutherzwerge in Wittenberg verteidigt. Seit dem 12. August zieren für einen Monat 800 bunte Nachbildungen des Reformators den Marktplatz der Stadt.
 

Sie sollen auf das Reformationsjubiläum im Jahr 2017 hinweisen und als „Botschafter“ die Lehre von Martin Luther (1483-1546) „in die Welt tragen“, hieß es von den Organisatoren. Nach Kritik auch aus der Kirche sagte Junkermann der „Leipziger Volkszeitung“: „Luther gehört in den Alltag, daran sollen und werden die Figuren erinnern. Sie können ein Stachel sein, wenn wir die reformatorischen Ideen von vor 500 Jahren auf die Realität heute prallen lassen. Ich werde einen blauen, roten oder grünen Plaste-Luther immer als Störfaktor verstehen – aber genau das ist gewollt.“ Der Wittenberger Theologe Friedrich Schorlemmer hatte die Figuren als „einfach nur peinlich“ bezeichnet. Auch der ehemalige Superintendent der Stadt, Albrecht Steinwachs, nannte sie „unangemessen“.

Luther wollte nicht auf einem Sockel stehen

Junkermann wies die Kritik zurück. Luther hätte sich heftig dagegen verwahrt, auf einen Sockel gestellt zu werden, sagte sie im Hinblick auf das Originalbild, das seit Anfang des Jahres restauriert wird. Sie finde es gut und ganz im Sinne Luthers, dass er nun „vom Sockel geholt wird“. Dem Künstler Ottmar Hörl sei mit den Mini-Figuren eine Skulptur des Diskurses gelungen. „Und das tut auch dem eigenen theologischen Nachdenken gut.“ Zudem erhofft sich Junkermann von der Kunstaktion einen zusätzlichen Werbeeffekt für die Reformationsdekade. „Wenn die 800 Luther-Botschafter im September auf Reise in andere Städte, aber auch in andere Wohnungen gehen, werden sie die Botschaft der Reformation mitnehmen.“

Kein theologischer Anspruch

Ein theologischer Anspruch sei mit dem Kunstwerk allerdings nicht verbunden. „Kunst ist keine Theologie. Ich empfinde es als Bereicherung, wenn ein Künstler sich heute mit Theologie auseinandersetzt. Jede Kunst führt in Auseinandersetzung und Diskussion, erst das macht aus Kunst mehr als Dekoration. Gelingt das nicht, kann aus Kunst schnell Kitsch werden.“ Hörl sei es jedoch gelungen, mit seinen Luther-Figuren bei den Menschen ganz verschiedene Assoziationen zu wecken. „Diese Figuren haben die Größe eines Kindes. Luther hat daran erinnert, wir sind alle Kinder Gottes. (…) Wir sollten hin und wieder in die Knie gehen, uns als Menschen etwas zurücknehmen, um mit Luther auf Augenhöhe zu kommen. So können wir ihn besser verstehen“, regte Junkermann an. Nach dem Abbau der Figuren am 12. September sollen sie für 250 Euro pro Stück verkauft werden.