15. November 2018

Kritik an Billigjobs in der Diakonie

Quelle: idea.de

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider in der ARD-Sendung „Anne Will“: Acht Prozent prekäre Arbeitsverhältnisse. Screenshot: ARD

Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider in der ARD-Sendung „Anne Will“: Acht Prozent prekäre Arbeitsverhältnisse. Screenshot: ARD

Berlin (idea) – Der amtierende EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), hat kritisiert, dass es in der Diakonie teilweise schlecht geschützte und bezahlte Arbeitsverhältnisse gibt. Er äußerte sich am 8. August in der aus Berlin ausgestrahlten ARD-Sendung „Anne Will“.
 

Dort wurde er mit Vorwürfen von Wolfgang Lindenmaier (Stuttgart) konfrontiert, einem Mitglied der Arbeitsrechtlichen Kommission der Diakonie. Dieser hatte erklärt: „Die Kirchen haben Unmengen von prekären Arbeitsverhältnissen in ihren eigenen Reihen. Reguläre Jobs werden zunehmend in Billigjobs umgewandelt.“ Daher müssten immer mehr Mitarbeiter nebenher beispielsweise putzen gehen, um über die Runden zu kommen. Außerdem überließen kirchliche Wohlfahrtsverbände Mitarbeiter anderen Unternehmen, um sie dann zu niedrigeren Löhnen wieder auszuleihen. Deshalb sei es geradezu schizophren, wenn die Kirchen höhere Löhne und mehr Geld für Hartz IV-Empfänger forderten. Schneider sagte in der Sendung zu der Kritik: „In der Diakonie ist es so, und das bedaure und kritisiere ich auch, dass acht Prozent der Arbeitsverhältnisse sozusagen outgesourct sind, und da kommen solche Geschichten vor.“ Unter dem Begriff Outsourcing versteht man die Auslagerung von Arbeitsplätzen in kostengünstigere – weil häufig nicht tarifgebundene – Tochtergesellschaften. Die Diakonie beschäftigt in Deutschland rund 435.000 Mitarbeiter. Darauf angesprochen, warum er in seiner Amtszeit als Vorsitzender des Diakonischen Rates diese Praxis nicht verhindert habe, sagte Schneider, die diakonischen Unternehmen seien selbstständig. Man könne ihnen nicht vorschreiben, was sie im Einzelnen zu tun hätten. Er habe sich aber sehr dafür eingesetzt, Rahmenbedingungen zu schaffen, „die solche Formen des Wirtschaftens nicht ermöglichen“. Die Sendung befasste sich mit dem Thema „Aufschwung für alle – Höhere Löhne, mehr Hartz IV?“

Schneider: Hartz IV und unteres Lohnniveau zu niedrig

Schneider tritt für eine Anhebung der Hartz IV-Regelsätze ein. „Die Hartz IV-Sätze müssen nach oben“, sagte er am 8. August in der ZDF-Sendung „Peter Hahne“. Zugleich kritisierte er, dass das untere Lohnniveau in Deutschland zu niedrig sei. Die Gewerkschaften seien in den vergangenen Jahren zu schwach gewesen, um Löhne durchzusetzen, „die zu einem menschenwürdigen Leben gehören“. Skeptisch äußerte sich der EKD-Ratsvorsitzende zu Forderungen, Gutscheine an Kinder von Hartz IV-Familien zu verteilen, etwa für Bildungsangebote. Es sei sinnvoller, staatliche Gelder in die soziale Infrastruktur zu stecken, etwa in Kindertagesstätten und Musikschulen. Der CDU-Politiker und Wirtschaftsexperte Josef Schlarmann wandte sich in der Sendung gegen eine Anhebung der Hartz IV-Sätze. Dadurch würden die Anreize vermindert, sich um eine Arbeitsstelle zu bemühen.