17. November 2018

Italien: Deutsche Pfarrerin erwirkt Homo-Segnung

Quelle: idea.de

Das Bild zeigt deutschsprachige Protestanten beim Gottesdienst in der Waldenserkirche von Palermo. Christa Wolf (Mitte) berichtet im Magazin „chrismon“ über ihre lesbische Liebe. Foto: chrismon/Privat

Das Bild zeigt deutschsprachige Protestanten beim Gottesdienst in der Waldenserkirche von Palermo. Christa Wolf (Mitte) berichtet im Magazin „chrismon“ über ihre lesbische Liebe. Foto: chrismon/Privat

Frankfurt am Main/Karlsruhe (idea) – Eine deutsche Pfarrerin hat dafür gesorgt, dass die Evangelisch-Lutherische Kirche in Italien die Segnung homosexueller Paare eingeführt hat. Christa Wolf (52) aus der badische Landeskirche betreut seit 2003 im Auftrag der EKD die deutschsprachige Gemeinde in Sizilien.
 

Wie die lesbische Theologin im evangelischen Monatsmagazin „chrismon“ (Frankfurt am Main) berichtet, habe sie sich 2007 in eine Frau verliebt und vom Kirchenvorstand die Erlaubnis bekommen, mit ihrer Partnerin in der Pfarrwohnung zusammenzuziehen. Ein Jahr später hätten die beiden Frauen auf einem deutschen Standesamt den Bund fürs Leben geschlossen. Allerdings sei ihr „innigster Wunsch, für den gemeinsamen Lebensweg in einem Gottesdienst gesegnet zu werden“, in der badischen Landeskirche nicht möglich. In der dortigen „angeblich liberalen“ Kirche würden homosexuelle Paare so diskriminiert, dass selbst ein Zusammenleben in der Pfarrwohnung verboten sei. Sie habe daraufhin mit der Leitung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien so lange verhandelt, bis diese der „ersten offiziellen kirchlichen Segnung für ein gleichgeschlechtliches Paar“ zustimmte. Am 7. April habe das historische Ereignis in der evangelischen Waldenserkirche Trapani stattgefunden. Inzwischen habe sich auch die Synode klar für die Segnung homosexueller Paare ausgesprochen. Dies sei ein „deutliches Signal in einer konservativen und homophoben Gesellschaft, in der es immer wieder zu Übergriffen kommt und es keinerlei Rechte für die Lebenspartnerschaft gibt“. Wolf erwartet, dass sich demnächst auch die Synode der Waldenserkirche für solche Segnungen ausspreche. Die Gemeinde schätze die gemeinsame Arbeit der Frauen mit einer traditionellen Rollenverteilung: „Meine Lebenspartnerin füllt inzwischen die Rolle der Hausfrau, der Sekretärin, der klassischen Pfarrfrau aus.“

Kein Verstoß gegen die Kirchenordnung

Frau Wolfs Auslandsdienst endet 2012. Dann werde sie einen Auftrag in der badischen Kirche bekommen, sagte der stellvertretende badische Landesbischof, Oberkirchenrat Gerhard Vicktor (Karlsruhe), gegenüber idea. Für disziplinarische Maßnahmen gebe es keinen Anlass, da die Pfarrerin nicht gegen kirchliche Ordnungen verstoßen habe. Badischen Theologen sei nur verboten, gleichgeschlechtliche Paare in einem öffentlichen Gottesdienst zu segnen, nicht aber, sich selbst segnen zu lassen. Allerdings könne Frau Wolf mit ihrer Partnerin nicht in einem Pfarrhaus zusammenleben, so dass sie vermutlich nicht in einer Gemeinde eingesetzt werde.