21. November 2018

Fastenbrechen mit Islamisten bringt Özkan in Erklärungsnot

Quelle: jungefreiheit.de

Aygül Özkan: Beitrag zur Bildung von Parallelgesellschaften in Deutschland Foto: www.ms.niedersachsen.de

Aygül Özkan: Beitrag zur Bildung von Parallelgesellschaften in Deutschland Foto: www.ms.niedersachsen.de

DELMENHORST. Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) ist wegen eines geplanten Grußwortes zum feierlichen Fastenbrechen in einer muslimischen Gemeinde in Delmenhorst in Erklärungsnot geraten.
 

Hintergrund ist der Vorwurf, die betreffende Mevlana-Gemeinde stehe der islamistischen Organisation Milli Görüs (IGMG) nahe. In der niedersächsischen Stadt veranstalten erstmals eine muslimische und eine evangelische Gemeinde ein gemeinsames sogenanntes Iftar-Mahl zum Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan.

Gastgeber sind die Mevlana-Gemeinde und die Kirchengemeinde „Zu den zwölf Aposteln“. Die Schirmherrschaft hat die CDU-Landtagsabgeordnete Swantje Hartmann übernommen.

Prominente Gäste erwartet

Neben Özkan hatte auch die niedersächsiche Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen (CDU) ihr Kommen zugesagt. Erwartet werden außerdem zahlreiche weitere Prominente, darunter der evangelische oldenburgische Landesbischof Jan Janssen und der Trainer des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen, Thomas Schaaf.

Einem Bericht des Deutschlandfunks zufolge hatte die Mevlana-Gemeinde im Jahr 1987 von einer Dachorganisation der Milli Görüs die Vollmacht zur Errichtung einer Moschee erhalten.

Außerdem soll das betreffende Grundstück von der in Köln ansässigen „Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft“ erworben worden sein, der Immobilienverwaltung der islamistischen Organisation.

Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung

Laut niedersächsischem Verfassungsschutz ist Milli Görüs „bestrebt, türkischstämmigen Muslimen eine eigenständige Identität auf der Basis islamistischer wie auch türkisch-nationalistischer Anschauungen zu vermitteln. Diese Identität definiert sich in Abgrenzung zur freiheitlichen Werteordnung der Bundesrepublik Deutschland und propagiert die islamische Rechts- und Lebensordnung, die Scharia, als Grundlage ihres Gesellschaftsmodells.“

Damit trage die IGMG zur Bildung von Parallelgesellschaften in Deutschland maßgeblich bei und verfolge Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung.

Fundamentalistische Ausrichtung bekannt

Die Mevlana-Gemeinde weist demgegenüber eine inhaltliche Nähe zur Ideologie der Milli Görüs zurück. Diese sei höchstens bei einzelnen Gemeindemitgliedern vorhanden.

Auch der Pfarrer der das Iftar-Mahl mitausrichtenden evangelischen Gemeinde sagte dem Deutschlandfunk, die konservative, zum Teil sogar fundamentalistische Ausrichtung der Mevlana-Gemeinde sei schon länger bekannt; sie leiste jedoch seit vielen Jahren einen guten Beitrag für die Integration der Moslems in Delmenhorst.

Aus dem Sozialministerium hieß es, man werde aufgrund der Informationen des Verfassungsschutzes überprüfen, ob Özkan an der Veranstaltung teilnehmen werde oder nicht.

Erneuter Ärger für Özkan

Nach dem Wirbel um ihre Aussagen zu Kreuzen in öffentlichen Gebäuden und ihre geplante „Mediencharta“ ist dies der dritte Vorfall, der die türkischstämmige Ministerin während ihrer erst dreimonatigen Amtszeit in Bredouille bringt.

Geladen wurden zum feierlichen Fastenbrechen auch die Mitglieder des Delmenhorster Stadtrats – mit Ausnahme des Fraktionsvorsitzenden der Wählergemeinschaft Freie Delmenhorster Politik (FDelP), Uwe Dähne.

Dähne hatte im Frühjahr gemeinsam mit zwei anderen Ratsherren die FDP-Fraktion verlassen und war bei den Liberalen ausgetreten, weil er dem Delmenhorster Kreisvorsitzenden Tamer Sert vorwarf, die FDP mit türkisch-nationalen Kreisen unterwandert zu haben. (vo)