Quelle: idea.de
El Salvadors Staatspräsident Mauricio Funes legte sein Veto gegen das Gesetz ein. Foto: Wikipedia
Die Mehrheit konservativer Volksvertreter versprach sich davon eine Eindämmung der Kriminalität. In dem Land von der Größe Hessens werden durchschnittlich 13 Tötungsdelikte pro Tag begangen. Doch Staatspräsident Mauricio Funes legte sein Veto gegen das Gesetz ein, und auch Vertreter der katholischen sowie der traditionellen evangelischen Kirchen äußerten Bedenken. Hingegen befürworten vor allem Pfingstkirchen das verpflichtende Bibellesen. Funes sieht die Trennung von Religion und Staat gefährdet. Die Kirchen haben weitere Einwände. So sei keine Anleitung zum Bibellesen vorgesehen, erklärte der katholische Bischof Rodrigo Cabrera. „Welche Bibelstellen sollen gelesen werden und in welcher Übersetzung?“ fragten der lutherische Bischof Medardo Gomez und der evangelikale Pastor Carlos Rivas. Der Baptistenpastor Muguel Tomas Castro bezweifelt, dass verordnetes Bibellesen die Kriminalität schwinden lassen kann. Man müsse vielmehr die Ursachen für die Gewalt bedenken.
Bibel als Stadtgespräch
Der anglikanische Bischof Martin Barahona hält das Gesetz schlicht für verfassungswidrig, und der katholische Erzbischof José Luis Escobar Alas befürchtet, dass es zum Streit zwischen Kirchen und Religionsgemeinschaften führen würde. Befürworter vermuten andere Motive hinter dem katholischen Protest: Priester wollten nicht, dass Kirchenmitglieder ohne ihre Anleitung in der Bibel lesen. Der Baptistenpastor Edgar Lopez kann der ganzen Debatte dennoch etwas Gutes abgewinnen: Immerhin sei die Bibel zum Stadtgespräch geworden. Von den 7,3 Millionen Einwohnern El Salvadors sind rund 60 Prozent katholisch und annähernd 30 Prozent evangelisch; die übrigen gehören anderen Religionen oder Weltanschauungen an.