17. November 2018

Die meisten Deutschen spenden nicht für Pakistan

Quelle: idea.de

58 Prozent wollen ihren Geldbeutel nicht für die Flutopfer öffnen. Screenshot: ARD/infratest dimap

58 Prozent wollen ihren Geldbeutel nicht für die Flutopfer öffnen. Screenshot: ARD/infratest dimap

Köln (idea) – Trotz massiver Spendenaufrufe für die Opfer der Flutkatastrophe in Pakistan ist die Mehrheit der Deutschen nicht bereit, ihren Geldbeutel für diesen Zweck zu öffnen. 58 Prozent haben das nicht vor, 12 Prozent haben bereits gespendet, 24 Prozent wollen noch helfen. Der Rest hat dazu keine Meinung.
 

Das geht aus dem neuesten Deutschland-Trend im ARD-Morgenmagazin hervor, für den das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap am 17. und 18. August 1.000 Bürger befragte. Für die Spendenzurückhaltung gaben die Befragten unterschiedliche Gründe an: 40 Prozent haben kein Geld, 29 Prozent glauben, dass das Geld nicht an der richtigen Stelle ankommt, 8 Prozent spenden grundsätzlich nicht, 7 Prozent ist Pakistan politisch nicht nah genug, 5 Prozent ist Pakistan kulturell nicht nah genug, 5 Prozent spenden anderweitig und 3 Prozent sind die Probleme in Deutschland wichtiger. 2 Prozent denken, dass die Politik für die Hilfe zuständig ist, und ebenfalls 2 Prozent haben kein Vertrauen in den pakistanischen Staat.

Kirchen: Hilfsbereitschaft nicht durch Vorbehalte mindern

Bei den größten Überschwemmungen der Geschichte Pakistans sind mindestens 1.500 Menschen gestorben, 4,6 Millionen haben ihre Bleibe verloren. Insgesamt sind 20 Millionen von den Folgen der Flut betroffen. Die beiden großen Kirchen in Deutschland appellierten am 19. August eindringlich an alle Bürger, für die Opfer in Pakistan zu spenden und zu beten. „Unsere Hilfsbereitschaft sollte nicht durch Vorbehalte gegen ein Land und eine Region vermindert werden, in denen schwierige politische Verhältnisse herrschen“, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf des amtierenden EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider (Düsseldorf), und des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch (Freiburg). Die meisten Landeskirchen und Bistümer stellen Geld für Hilfsaktionen in Pakistan zur Verfügung.

Christliche Hilfswerke lindern Not

Hilfswerke berichten, dass der Spendeneingang nach einem schleppenden Start inzwischen an Fahrt aufnimmt. Bis zum 18. August gingen insgesamt 24 Millionen Euro bei 37 Organisationen und Spendenbündnissen für die Katastrophenopfer ein, teilte das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) in Berlin mit. In den Katastrophengebieten sind auch zahlreiche christliche Hilfswerke in Zusammenarbeit mit pakistanischen Partnern tätig. Auch die einheimischen Kirchen bemühen sich, die Not der Menschen zu lindern. Dazu gehört die Heilsarmee, die in Pakistan rund 70.000 Mitglieder in 133 Gemeinden und sieben Sozialeinrichtungen hat. Von den 174 Millionen Einwohnern Pakistans sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen. Von den Christen sind etwa zwei Millionen Protestanten, davon etwa 700.000 Evangelikale, eine Million Katholiken und 600.000 Mitglieder orthodoxer oder unabhängiger Kirchen.