19. Oktober 2018

Vuvuzela: Reaktion auf Kolonialismus

Quelle: idea.de

Der Präsident des Südafrikanischen Kirchenrats, Tinyiko Maluleke, verteidigt den „Tröten-Terror“. Foto: PR

Der Präsident des Südafrikanischen Kirchenrats, Tinyiko Maluleke, verteidigt den „Tröten-Terror“. Foto: PR

Johannesburg (idea) – Ein führender südafrikanischer Kirchenrepräsentant verteidigt die Vuvuzela als Reaktion auf den Kolonialismus.
 

Mit der rund einen Meter langen Plastiktrompete produzieren Fans bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika eine anhaltende eintönige Lärmkulisse, die vielen ausländischen Aktiven und Zuschauern auf die Nerven geht. Von „Tröten-Terror“ ist die Rede. Das ist gut so, meint der Präsident des Südafrikanischen Kirchenrats, Tinyiko Maluleke (Johannesburg). Als Erinnerung an die Leiden der Afrikaner unter dem Kolonialismus sollten der Welt die Ohren dröhnen, meinte der Theologe gegenüber der ökumenischen Nachrichtenagentur ENI. Im 19. Jahrhundert hätten weiße Missionare Seite an Seite mit den Kolonialisten Afrikanern die Bibel gegeben und ihnen gleichzeitig ihr Land weggenommen. Jetzt werde die Fußball-WM von der Vuvuzela beherrscht – „eines der widerwärtigsten Instrumente – sehr laut, sehr lästig“. Er sehe das Instrument als ein Symbol für Afrikas Schrei nach Anerkennung, so Maluleke. Es ähnele traditionellen Tierhörnern, mit denen man Aufmerksamkeit erregt habe; nur sei es viel lauter. Mit bis zu 120 Dezibel könne die Vuvuzela die Trommelfelle europäischer Männer, Frauen und Kinder löchern. Maluleke ist Forschungsdirektor an der Universität von Südafrika. Im benachbarten Botswana wird die Vuvuzela als biblisches Instrument angesehen. Gott wolle, dass die Menschen ihm mit dem Klang von Hörnern Lobopfer bringen, erklärte Jaqueline Chireshe in der südafrikanischen Zeitung „Mail and Guardian“. Von den 48,8 Millionen Südafrikanern sind 79,3 Prozent Kirchenmitglieder, 17,3 Prozent Atheisten, 2,8 Prozent Hindus und Muslime sowie 0,2 Prozent Juden.