19. Oktober 2018

Abschied von der „Bischöfin der Herzen“

Quelle: idea.de

Synodenpräsident Jürgen Schneider (rechts) überreicht Margot Käßmann einen Blumenstrauß zum Abschied als Landesbischöfin. Foto: idea/Polzer

Synodenpräsident Jürgen Schneider (rechts) überreicht Margot Käßmann einen Blumenstrauß zum Abschied als Landesbischöfin. Foto: idea/Polzer

Hannover (idea) – Mit Respekt, Wehmut und großer Sympathie ist die hannoversche Landesbischöfin a. D. Margot Käßmann am 2. Juni von der Landessynode verabschiedet worden. Synodenpräsident Jürgen Schneider (Hermannsburg) bezeichnete sie unter anhaltendem Beifall als „Bischöfin der Herzen“.
 

Käßmann hatte nach einer Trunkenheitsfahrt Ende Februar ihre Ämter als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin niedergelegt. Sie war fast genau vor elf Jahren an die Spitze der knapp drei Millionen Mitglieder zählenden Landeskirche gewählt worden.

Rücktritt „angemessen und richtig“

Käßmann, die mit Ovationen im Stehen verabschiedet wurde, sagte, die Zeit als Landesbischöfin seien „spannende, gute und wichtige Jahre für sie selbst und hoffentlich auch für die Kirche“ gewesen. Sie sei „mit Leib und Seele“ Landesbischöfin gewesen. Gleichwohl halte sie ihren Rücktritt nach wie vor für „angemessen und richtig“. Sie dankte der Kirchlichen Mitarbeitervertretung für ihre Initiative für eine Wiederwahl Käßmanns. Dies habe sie persönlich angerührt. Gleichwohl stehe sie nicht mehr als Landesbischöfin zur Verfügung. Sie könne nicht in ein Amt zurückkehren, von dem sie zurückgetreten sei. Jetzt beginne ein neuer Lebensabschnitt. Die Bibel mache Mut zum Aufbruch. Sie selbst schaue „dankbar zurück und ohne Angst nach vorn“. Zunächst wird Käßmann, die Pastorin der hannoverschen Landeskirche bleibt, von August bis Dezember zu einem Studienaufenthalt in die USA reisen. Ihr biblisches Motto sei: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.“

Der Landeskirche ein weibliches Gesicht gegeben

Synodenpräsident Schneider zollte Käßmann großen Dank und Respekt. Sie habe die Versprechen ihrer Antrittsrede als Landesbischöfin vor genau 11 Jahren umgesetzt. Damals sagte sie, sie wolle eine Kirche, die entschieden für Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit und die Bewahrung der Schöpfung eintrete, die gegründet sei im Wort Gottes und vom Glauben an Jesus Christus in der Sprache der Zeit spreche. Darüber hinaus habe sie der hannoverschen Landeskirche ein „frisches, junges, weibliches Gesicht gegeben“. Schneider: „Du bleibst die Bischöfin der Herzen – und das wirkt weit über Hannover hinaus!“

Keine Überlegungen zu zweiter Amtszeit

Über eine zweite Amtzeit Käßmanns als Landesbischöfin gibt es in der Landessynode keine Überlegungen, wie die Sprecher der beiden Synodalgruppen, Jörn Surborg (Offene Kirche) und Michael Thiel (Lebendige Volkskirche), vor Journalisten betonten. Wie geplant werde der Kirchensenat vier bis sechs Wochen vor der Bischofswahl Ende November bis zu drei Kandidaten benennen. Gemeinsam betonten Surborg und Thiel, dass man auch Respekt vor der Begründung Käßmanns für ihren Rücktritt zeigen müsse. Deshalb gebe es keine Überlegungen für eine zweite Amtszeit, wie sie kirchliche Mitarbeiter gefordert hatten. Allerdings wird nach den Worten von Landeskirchenamtspräsident Burkhard Guntau (Hannover) darüber nachgedacht, welche Aufgaben Käßmann innerhalb der Landeskirche oder der EKD übernehmen könne. Konkretes könne er jedoch dazu nicht sagen.