15. Dezember 2018

Missbrauch: Immer mehr Opfer gehen an die Öffentlichkeit

Quelle: idea.de

„Sexuelle Dienste“ als Gegenleistung für Internatsplatz. Foto: istockphoto.com

„Sexuelle Dienste“ als Gegenleistung für Internatsplatz. Foto: istockphoto.com

Stuttgart (idea) – Nach zahlreichen anonymen Anzeigen gegen kirchliche und pädagogische Einrichtungen gehen immer mehr Opfer sexuellen Missbrauchs an die Öffentlichkeit. So schilderte eine heute 40-jährige Frau am 21. März im ZDF, wie sich ein evangelischer Geistlicher zwischen 1984 und 1986 an ihr vergangen habe.
 

Der ehemalige evangelische Pfarrer von Vilshofen bei Passau, Rainer Sch. (heute 54 Jahre alt), habe von der damals 14- bis 16-jährigen Schülerin „sexuelle Dienste“ als Gegenleistung dafür gefordert, dass er das Mädchen in einem Internat unterbrachte, anstatt sie – wie die Mutter wünschte – in ein Jugendheim abzuschieben. Der Sprecher der bayerischen Landeskirche, Johannes Minkus (München), bestätigte, dass sich die Frau bereits 2003 an die Kirchenleitung gewandt habe, was auch zu einem Disziplinarverfahren geführt habe. Allerdings habe der Pfarrer die Vorfälle als nicht so schwerwiegend geschildert, als dass man Strafanzeige hätte stellen müssen. Der Pfarrer sei mit einem „Verweis“ davongekommen und habe einen Entschuldigungsbrief an die Frau schreiben müssen, der das Opfer jedoch nie erreichte. Nach den neuen Enthüllungen sei der zuletzt in Memmingen tätige Geistliche am 24. März vom Dienst suspendiert worden, teilte Minkus mit. Nach einer Anhörung der Frau und des Pfarrers werde Strafanzeige gestellt.

Nackt vor dem Heimleiter

In baden-württembergischen Zeitungen schildern Missbrauchsopfer ebenfalls ihr oft jahrelanges Leiden. Die Pforzheimer Zeitung berichtet von zwei Frauen, die vor mehr als 40 Jahren in einem evangelischen Kinderheim in Karlsruhe lebten. Als damals Zwölfjährige hätten sie sich vor dem Heimleiter nackt ausziehen müssen, während sich der Mann selbst befriedigte. Bei der Rhein-Neckar-Zeitung (Heidelberg) meldeten sich ehemalige Bewohner der Behinderteneinrichtung Johannes-Diakonie in Mosbach. Ihren Angaben zufolge sind dort in den sechziger Jahren Buben missbraucht worden. Ein evangelischer Pfarrer habe sie entblößt zu „Hoppe-Reiter-Spielen“ einbestellt. Betreuer hätten davon gewusst, aber nichts unternommen.