23. Oktober 2018

Hätte ein Mann nach Alkoholfahrt EKD-Chef bleiben können?

Quelle: idea.de

Robert Leicht : Das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun.

Robert Leicht : Das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun.

Potsdam/Hamburg (idea) – Hätte man einem Mann an der Spitze der EKD eine Autofahrt in alkoholisiertem Zustand durchgehen lassen? Zu dieser Frage gibt es nach dem Rücktritt von Margot Käßmann, die mit 1,54 Promille Alkohol im Blut eine rote Ampel überfahren hatte, unter prominenten Protestanten unterschiedliche Meinungen.
 

„Nein. Das hat mit dem Geschlecht nichts zu tun“, sagt ein früheres EKD-Ratsmitglied, der Publizist Robert Leicht (Hamburg). „Auch ein Mann hätte nach so einem Vorfall zurücktreten müssen“, äußerte er gegenüber Märkischen Allgemeinen Zeitung (Potsdam). Anderer Meinung ist die frühere Lübecker Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter. „Was bei einem Mann als Kavaliersdelikt gewertet worden wäre, wurde zum öffentlichen Tribunal“, sagte die Theologin gegenüber „Spiegel Online“ (Hamburg). Der Sexismus habe auch ein Neidgesicht: „Wir haben noch nicht das Recht, genauso viele Fehler zu machen wie die männlichen Kollegen.“ Es gebe noch immer Gruppen in der Kirche, „die Frauen in Führungspositionen nicht anerkennen“. Wartenberg-Potter, die von 2001 bis 2008 Bischöfin des nordelbischen Sprengels Holstein-Lübeck war, nannte die Entscheidung Käßmanns „in der Sache unverhältnismäßig“. Der Rücktritt zeige jedoch „ihren Mut, ihre integere Persönlichkeit“.

Leicht: Rücktritt war unvermeidlich

Für das Ex-EKD-Ratsmitglied Leicht war dieser Schritt Käßmanns dagegen „unvermeidlich“. Ein Bischof und EKD-Ratsvorsitzender müsse sich ständig von einer hohen moralischen Warte aus zu Fragen der öffentlichen Ethik äußern. Deshalb gebiete es das Amt, dass es keinen Anlass zu einer Antwort „Das musst du gerade sagen!“ gebe. Jeder Pfarrer sei zu „ordentlicher Lebensführung“ angehalten. Man müsse sich klarmachen, dass es nicht das Verdienst Käßmanns gewesen sei, dass es bei der Fahrt nicht zu einem Unfall gekommen sei: „Es ist allein dem glücklichen Zufall zu danken, dass keiner bei Grün auf der anderen Straße fuhr. Man kann auch nicht zu einer Fastenaktion aufrufen und dann am ersten Wochenende mit 1,54 Promille Auto fahren. Das gehe einfach nicht – bei aller Sympathie für die Person. Leicht gehörte von 1997 bis 2003 dem Rat der EKD an und war von 1999 bis 2009 Präsident der Evangelischen Akademie zu Berlin.