28. Mai 2020

Es geht um Leben und Tod

KREUZ und QUERGEDANKEN zu OSTERN

von Egmond Prill

Eben waren wir noch beschäftigt, um das Klima zu retten. Und Greta auf ihren Weltreisen zu bewundern, wo sie gegen die Weltreisen anderer wetterte: Ich will, dass ihr Panik habt! Viele klatschten Beifall. Freitags wurde sogar die Schulpflicht ausgesetzt. Nun, die Panik ist da. Schule gibt es gar nicht mehr. Eine Virusgrippe hat das geschafft.

Die halbe Welt in Schockstarre. Europa im Ausnahmezustand. Deutschland allein zu Haus. Ein „Corona-Kabinett“ führt die Staatsgeschäfte und verwaltet den Mangel. Denn allerorten fehlt nahezu alles. Wir reden nicht von Toiletten-Papier und Dosen-Ravioli, sondern von Atem-Masken und Schutz-Kleidung.

Die Läden sind leer, die Lager auch. Vorsorge und Fürsorge? Fehlanzeige! Dafür ist Deutschland noch im Feinstaub-Alarm. Laut Prognose der allerwertesten Umweltvereine sterben durchs Diesel-Auto jedes Jahr mehr als 80.000 Menschen. Um diese vielen Leichen zu verhindern, sind Fahrverbote verhängt. Noch mehr: Um zu verhindern, dass in hundert Jahren der Meerspiegel steigt, werden auf Welt-Klimakonferenzen mit 20.000 Teilnehmern aus aller Welt (in Worten: zwanzigtausend) Rettungspläne beschlossen. Vor allem geht es um Geld für heiße Luft. Übrigens: Welt-Antivirus-Konferenzen gibt es nicht. Da Deutschland Vorreiter ist, haben viele Städte umgehend den Klima-Notstand ausgerufen. Was das heißt, weiß keiner. Aber es zeigt, die Deutschen sind die Größten, wenn es um die Rettung der Welt geht. Wer, wenn nicht wir, posaunten viele. Klima-Notstand von Konstanz bis Kiel, von München bis Fehmarn. Nicht zu vergessen Brachttal, Drensteinfurt und Herzogenrath.

Der Deutsche Bundestag beschäftigte sich derweil mit weiteren Rettungsfragen: Die Ehe mit allen, Gender-Gerechtigkeit und gar ein drittes Geschlecht wurden ausgerufen. Also, echte Überlebensfragen für Land und Volk. Deutschland hat sich abgesichert gegen pazifische Seebeben samt Tsunami und sicherheitshalber den Atom-Ausstieg proklamiert. Einfach so „par ordre du Mutti“. Fix wurden noch der Kohle-Ausstieg beschlossen und die Elektro-Mobilität verordnet. All das hilft allerdings nicht gegen die Virusgrippe, die jedes Jahr kommt, mal mehr und mal weniger, aber meist mit vielen Toten. Darauf war Deutschland nicht vorbereitet. Es gibt Pläne für den bundesweiten Windradbau! Aber Pläne gegen eine Epidemie? Und wenn doch, dann blieben die im Schubkasten, ganz unten.

Dann war der Tag, als das Virus kam.

Zunächst weit weg in Wuhan, wähnte sich die Wissenschaft hier im Lande auf der sicheren Seite. Tut nichts, kommt nichts: Machen wir auch nichts. Dann kam es doch und nun ist es mal da. Die Wissenschaft gibt uns inzwischen täglich Wasserstandsmeldungen, nicht vom steigenden Meeresspiegel, sondern von Infizierten, Genesenden und Toten. Eine gewisse Ernsthaftigkeit ist den Fachleuten abzuspüren, wenn auch deren Meinungen oft gegensätzlich sind. Die Empfehlungen ebenso. Die Umsetzungen im Land sind auch verschieden. Deutschland hat zwar ein einziges Grundgesetz, aber viele Länder. Und so gelten in Sachsen andere Bestimmungen als in Berlin. Mecklenburg-Vorpommern ist wieder anders unterwegs als Nordrhein-Westfalen. Und die Bayern machen sowieso, was sie wollen. Hauptsache zuerst. Schließlich wabert im Hintergrund noch die Frage: Wer wird Kanzler – nach Merkel? Oder bleibt Merkel? Einfach alternativlos!

Deutschland zerfällt in Gebiete, Regionen und Inseln. Dass Außengrenzen dicht sind, ist inzwischen selbstverständlich und allgemein akzeptiert. Das ging nur 2015 nicht.

Schier über Nacht zerfiel „Brüssel-Europa“ in seine Einzelteile, in Völker und Nationen. Jeder Staat macht, was er will. Das Europa der gemeinsamen Werte, des einheitlichen Wirtschaftsraumes und der gemeingültigen Regelungen hörte einfach auf zu bestehen.

Der in Stein gemeißelte Rechtsstaat als Steinbruch?

In wenigen Augenblicken der Weltgeschichte wurde die Welt lahm gelegt und unser Rechtsstaat flach gelegt. Wo Hitler sieben Wochen brauchte, genügten jetzt sieben Tage. Nein, hier wird nichts gleich gesetzt! Nie und nimmer! Und die derzeitigen Gesetze und Verordnungen sind nicht das „Ermächtigungsgesetz“ aus Deutschlands dunkelsten Zeiten!

Aber eines ist schon der Hammer, oder? Wie schnell können Freiheiten eingeschränkt und Freizügigkeiten entzogen werden. Friseurbesuch, Restaurantbesuch, Enkelbesuch – verboten. Ja, wirklich verboten und strafbewährt. Aus dem Nichts wurden Strafkataloge geschaffen, Zahlungen bis 25.000 Euro angedroht, Zwangsquarantäne und Gefängnis ebenso. Versetze ein Volk in Angst und es macht, was du willst. Wir reden nicht über mittelamerikanische Diktaturen, sondern über ein Land mit dem besten Grundgesetz aller Zeiten. Erschreckend, wie in wenigen Tagen grundgesetzliche Standards ausgehebelt wurden, natürlich mit Begründungen. Erschreckend, wie (fast) alle umgehend mitmachen, oder? Medien, Parteien, Kirchen – jetzt ziehen alle an einem Strang. Das klingt schön, aber ist nicht gut. Wer fragt einmal gegen den Strom und zieht an einem anderen Strang? Wer hinterfragt Verordnungen und Verbote bis hin zum Dichtmachen von Kirchen, Synagogen und Moscheen? Wer führt jetzt schon die Diskussion für den geordneten Ausstieg?

Natürlich ist klar: Ansteckungen vermeiden, wo es und wie es geht! Anderen bei Schnupfen und Grippe nicht die Hand zu geben, das hat man früher als Kind gelernt. Kinder bei Masern zu Hause lassen, das wussten Eltern von ihren Eltern.

Es geht um Leben und Tod!

Diesen Satz prägten Politiker angesichts der Virusgrippe. Ohne Diskussion: So ist es! Es geht jeden Tag bei jedem um Leben und Tod. Ob ein Virus, eine Lungenentzündung, ein Autounfall oder ein Stromschlag. Täglich sind wir vom Tod umfangen. Unsere Spaßgesellschaft hat das ausgeblendet. Inzwischen haben wir eine durchaus heilsame Diskussion um Alte und Sterbende, um Angehörige in Pflegeheimen und Verwandte in Krankenhäusern. Wer darf wen überhaupt noch sehen und besuchen? Das rüttelt viele wach, zumindest Betroffene. Es geht um Leben und Tod.

Die Zerbrechlichkeit unserer Ordnung, unseres Wohlstandes und unseres Lebens überhaupt wird offenbar. Das lässt uns an Gott denken, den strafenden und den gnädigen. Das mahnt zu Buße und Umkehr. Das führt ins Gebet und in die Fürbitte. Wir leben in der Osterzeit. Gedanken an das Leiden und Sterben Jesu. Der Blick zum Kreuz mit dem gemarterten Gottessohn. Dessen Ausruf: Es ist vollbracht! Es geht um Leben und Tod. Im Licht des Ostermorgens siegte das Leben.

Weil das die rettende Botschaftist, muss sie verkündigt werden. In Gotteshäusern und auf den Straßen und Plätzen. Eine mündige Kirche kann sich Gottesdienste nicht verbieten lassen! Von Niemand und mit welcher Begründung auch immer. Virtuelle Andachten und TV-Übertragungen aus leeren Kathedralen sind zu wenig. Peter Hahne hat es auf den Punkt gebracht und fordert: Macht Ostern die Kirchen auf!

In Krisenzeiten muss es Ideen geben, um Ansteckungen zu vermeiden. Abstand ist geboten. Aber ein Gottesdienst mit 50 Leuten in einer Kirche muss möglich sein, ein Abendmahl, das dem Einzelnen auf einem Tablett gereicht wird, kann der Rechtsstaat nicht verbieten. Und Posaunenchöre, die angemeldet beim Ordnungsamt,  mit ihren Leuten jeweils im Abstand von zwei Metern auf dem Marktplatz stehen und mit aller Macht „Ein feste Burg ist unser Gott“ intonieren, kann nicht verboten werden. Erste Kirchen klagen vor Gericht, richtig so!

1. O komm, du Geist der Wahrheit, und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit, verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer, rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer den Herrn bekennen kann.

2. O du, den unser größter Regent uns zugesagt:
komm zu uns, werter Tröster, und mach uns unverzagt.
Gib uns in dieser schlaffen und glaubensarmen Zeit
die scharf geschliffnen Waffen der ersten Christenheit.

3. Unglaub und Torheit brüsten sich frecher jetzt als je;
darum musst du uns rüsten mit Waffen aus der Höh.
Du musst uns Kraft verleihen, Geduld und Glaubenstreu
und musst uns ganz befreien von aller Menschenscheu.

4. Es gilt ein frei Geständnis in dieser unsrer Zeit,
ein offenes Bekenntnis bei allem Widerstreit,
trotz aller Feinde Toben, trotz allem Heidentum
zu preisen und zu loben das Evangelium.

5. In aller Heiden Lande erschallt dein kräftig Wort,
sie werfen Satans Bande und ihre Götzen fort;
von allen Seiten kommen sie in das Reich herein;
ach soll es uns genommen, für uns verschlossen sein?

6. O wahrlich, wir verdienen solch strenges Strafgericht;
uns ist das Licht erschienen, allein wir glauben nicht.
Ach lasset uns gebeugter um Gottes Gnade flehn,
dass er bei uns den Leuchter des Wortes lasse stehn.

7. Du Heilger Geist, bereite ein Pfingstfest nah und fern;
mit deiner Kraft begleite das Zeugnis von dem Herrn.
O öffne du die Herzen der Welt und uns den Mund,
dass wir in Freud und Schmerzen das Heil ihr machen kund.

Ein Pfingstlied muss schon zu Ostern erschallen – bundesweit, weltweit. Darauf ein AMEN!

 

April2020 ©Egmond Prill – Alle Rechte vorbehalten.
www.egmond-prill.de

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