25. Januar 2020

„Der andere Advent“?

Kalender „Der andere Advent“, Foto: Thomas Schneider/agwelt

von Thomas Schneider

Der Pfarrer unserer Kirchgemeinde verschenkt kurz vor dem Advent an Mitarbeiter den Kalender Der andere Advent. Seit 1995 veröffentlicht der ökumenische Verein Andere Zeiten, mit Sitz in Hamburg, diesen Kalender.

Die erste Ausgabe, 4.000 Exemplare, wurde verschenkt. Nach Angaben des Vereins werden heute mehr als eine halbe Million dieser Kalender gedruckt und auf den Weg gebracht. Initiator der Kampagne ist Hinrich C. G. Westphal, der den Verein bis März 2015 als Vorsitzender und Chefredakteur leitete. Bis 2001 war Westphal als evangelischer Pfarrer tätig und lange Jahre verantwortlich für die Pressearbeit der Nordelbischen Kirche. Westphal ist auch Begründer der Aktion 7 Wochen ohne.

Der neue Chefredakteur des Vereins, Frank Hofmann, studierte Philosophie, Germanistik und Theologie und arbeitete viele Jahre als Redakteur für Motorrad- und Automagazine sowie für Männer-Lifestyle-Magazine. In einem Werbefilm zum Kalender Der andere Advent fragt Hofmann „Was ist das Geheimnis des Kalenders?“ und beantwortet seine Frage auch gleich selbst: „Die Mischung macht‘s. Was wir brauchen sind Gedichte, Vorlesegeschichten, Texte zum Nachdenken und Meditieren, tolle Fotos, schöne Illus, und alles bitteschön ausgewogen evangelisch, katholisch, Mann, Frau, jung, alt, und Gott darf drin vorkommen, muss aber nicht…“

So sieht der Kalender auch aus. Ein bunter Kalender ohne das klare und wahre Wort Gottes. Das war wohl auch das Ziel der Macher. Sie schreiben auf ihrer Webseite: „Auf den Kalenderblättern der Wochentage vom 30. November bis zum 6. Januar geht es um das befreiende Tanzen, um Weitblick, um Freunde und um einen Gott, der in die Knie geht. Die Texte möchten Sie zum Nachdenken einladen über unsere Zeit, unser Miteinander und unsere Hoffnung. Autoren wie Mascha Kaléko, Herbert Grönemeyer, Dietrich Bonhoeffer und Herta Müller sind in diesem Jahr dabei. Begleitet werden sie von Bildern und Illustrationen, die ebenfalls neue Aussichten eröffnen – und von einem Nikolausgeschenk.“

So ist es dem Vereinsvorstandsmitglied und „gelernten Katholiken“ Christian Sauer ein Anliegen „wie man kirchenferne Menschen zeitgemäß und niedrigschwellig für Spiritualität und Glauben interessieren kann“, so sein Statement zum Projekt. Den Kalender Der andere Advent gibt es inzwischen nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder. Auch sie sollen „zeitgemäß und niedrigschwellig über Spiritualität und Glauben“ informiert werden.

Der Kalender für Erwachsene

Im Erwachsenen-Kalender begrüßt das „Andere-Zeiten-Team“ seine Leser damit, dass „die ungeheuerliche Botschaft von Jesu Geburt“„die alte Weihnachtsgeschichte“„in einem neuen Licht – aus der Perspektive von sechs biblischen Figuren“ „Quirinius“, „Herbergsmutter“, „Josef“, „Die Hirtin“, „Maria“ und „Ein Weiser aus dem Morgenland“ –  erzählt wird. – Dieses vermeintlich „neue Licht“ verhindert leider das Erstrahlen des wahren Lichtes, das Gottes Wort in Christus den Menschen schenken will. Geschichten und Gedichte sollen dafür „Wege nach innen“ zeigen:

  • Tanzen nehme vom Menschen „die Last auf den Schultern“. – Aber soll der Mensch mit seiner Last (Schuld und Sünde), die er mit sich herumschleppt, nicht zu Christus kommen?
  • Stille Zeit sei, wenn „kein Geräusch mehr kommt, keine Stimmen mehr zu hören sind.“ – Führt nicht Gottes Wort in die Stille?
  • Mut bei Bedrohungen sei „eine Form des Vertrauens. Nicht in die eigene Kraft, sondern in etwas, das uns beschützt.“ Was ist dieses „Etwas“?
  • Bei „zahllosen unbestimmten Seelenleiden“ sollen Bücher helfen, eine sogenannte „Gefühlsenzyklopädie“. – Heilt nicht Jesus Christus auch „Seelenleiden“?
  • Krankenhausgeistlichen fehlen tröstende Worte. – Gehen sie denn ohne Bibel in die Krankenzimmer?
  • Grönemeyer: „Das Wichtigste im Leben sind Freunde“. – Ist das die Botschaft im Advent? Sollte das Wichtigste nicht Christus sein?
  • „Diagnose Läukämie“ mit dem Hinweis „den Moment zu genießen, zu teilen und das Leben so anzunehmen, wie es ist.“ – Hält denn die Bibel keine Botschaft auch für eine solche Lebenssituation bereit?

So könnte ein ganzer Fragenkatalog zum Kalender Der andere Advent aufgestellt werden, der am Ende in drei Fragen mündet: Wo bleibt die wahre biblische Botschaft? Wo bleibt Christus? Wieso wird beides den Menschen vorenthalten?

Auf die Spitze treiben es die Kalendermacher mit einem Bild, auf dem eine dunkelhäutige Frau und ein dunkelhäutiges Kind (als Maria und Jesus im Stall?) vor dem Hintergrund eines Slam zu sehen sind.

Am Ende soll dann „ein Engel“ helfen, „der dir richtig zuhört… der dir wieder Mut macht… um dich zu schützen und zu halten…“ – Wozu braucht es also einen Jesus, der von sich sagt, dass ER der Weg, die Wahrheit und das Leben ist? Der Name Jesus bleibt im Kalender eine vermenschlichte Randnotiz. Nach einer Antwort auf die Frage, wozu Jesus in die Welt gekommen ist, wird der Leser vergeblich suchen. Wer Christus den Menschen bewusst vorenthält, wird sich dafür einmal vor dem Richterstuhl Christi verantworten müssen. Christus spricht: „Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.“

Der Kalender für Kinder

Noch problematischer ist der Kalender für Kinder. Einige Beispiele:

  • Ähnlich wie beim Erwachsenenkalender, so werden auch hier biblische Personen vorgestellt. Von Josef wird geschrieben, dass er der „Vater von Jesus“ gewesen sei.
  • In einem Kreuzworträtsel soll ein Wort für „Ernährung ohne tierische Produkte“ gefunden werden. Sollen etwa Kinder zu veganer und damit zu gesundheitsgefährdender Ernährung erzogen werden? – Weiter im Kreuzworträtsel: „Einen Vers im Koran nennt man…“ Sollen Kinder vielleicht im Koran nachschlagen, um etwas über den Sohn Gottes zu finden, der zur Rettung von Sünde, Tod und Teufel Mensch geworden ist? – Und schließlich soll das Kind den Ort herausfinden, in dem Jesus „vermutlich“ geboren wurde. Soll mit „vermutlich“ bereits Kindern die historisch-kritische Auslegung der Bibel serviert werden?
  • Im Text „Advent ist Licht“ steht „Die Wahrheit ist,… dass ich durch die vielen Kerzen fröhlicher werde.“ – Schenkt aber nicht Jesus mit seinem Kommen in Bethlehem und dann mit seinem zweiten Kommen die Freude, die ein Mensch braucht? – Daneben ein Bild, in dem ein anderes Bild erkennbar ist. Dazu steht: „Schon immer sind Menschen auf der Suche nach anderen Blickwinkeln…“ Soll damit angedeutet werden, dass der Blickwinkel des Menschen darüber entscheidet, was die Wahrheit ist?
  • Statt Kindern die biblische Bedeutung von „Salz“ nahe zu bringen, wird unter der Überschrift „Bring dem Ei das Schwimmen bei“ erklärt: „Für ein vielsagendes Erlebnis sorgt dieses salzhaltige Wasser aber immer wieder: Manchmal trägt uns etwas – da, wo wir es nicht erwartet hätten. Und manchmal kriegen wir Unterstützung von einer Seite, der wir es gar nicht zugetraut hätten.“ Was ist mit „etwas“ und was mit „von einer Seite“ gemeint? Warum schreiben die Kalendermacher nicht, dass allein Christus trägt und allein von seiner Seite wahre Hilfe zu erwarten ist?
  • Zur Frage „Was magst du im Advent?“ lässt man sechs Kinder antworten. Die Antworten passen zum Gesamtbild des Kalenders: „dass es schön aussieht“, „so schön geschmückt“, „dass alles so schön geschmückt ist und leuchtet“, „den Tannenbaum und den Schnee“, „den Adventskranz… viel gebastelt“, „die Wohnung zu schmücken, dann wird alles so adventlich“. – Gibt es keine Kinder mehr, die von der Ankunft des Retters und Heilandes Jesus Auskunft geben können?
  • Am Freitag, dem 13. Dezember, wird der Aberglaube verniedlicht dargestellt, wo es sich doch letztlich um einen gefährlichen Gegenglauben zum Glauben an den lebendigen Gott in Jesus Christus handelt. Nicht nur fragwürdig ist die Aussage: „Wahrscheinlich kam er (Freitag der 13.) irgendwann man so zustande: An einem Freitag starb Jesus. Verraten hat ihn der 13. Mann am Tisch.“ Das Resümee: „Und eins ist mal klar: Du kannst an dich selbst glauben, an deine Familie, Freunde oder Gott. Aber warum solltest du an ein Datum im Kalender glauben?“ – Soll damit suggeriert werden, dass es völlig gleichgültig ist, ob der Mensch an sich selber oder an den allmächtigen Gott glaubt?
  • Kinder sollen, so empfiehlt das Motto “Lass es raus!“, ihrem Ärger und ihrer Wut Luft machen: „Wandle deinen Ärger lieber in Energie um und werde kreativ: Denk dir ganz neue Schimpfwörter aus! Das kann dir helfen, deiner Wut neue Namen zu geben.“  – Sollen Kinder nicht auch mit ihrem Ärger und mit ihrer Wut zu Jesus kommen?
  • „Jesus war ein winziges Baby… Und der kleine Junge David, so erzählt es die Bibel, hat den Riesen Goliath besiegt. Dass Kleine manchmal stärker sein können als Große, kannst du selbst einmal ausprobieren.“ – Sollte den Kalendermachern nicht klar sein, dass es völlig daneben ist, menschliche „Stärke“ mit Jesus als Sohn Gottes und mit dem von Gott geführten David auf eine Ebene zu stellen?
  • Passend zum großen Mischmasch aus Religion und Fantasie passt auch „das Gebet der Fledermäuse“: „Am Morgen sprechen die Fledermäuse in dunklen Höhlen ihr Nachtgebet. Sie danken dem großen Weltenerfinder für Spinnen und Mücken und alles, was schwebt…“ – Können etwa Fledermäuse beten? Sollte nicht besser Kindern beigebracht werden, wie sie beten, was sie beten und zu wem sie beten sollen?
  • Umrahmt wird der Kalender an den Samstagen mit der Geschichte „Der neue Hausmeister“. Was wird Kindern dort vermittelt? Jede Menge Schimpfwörter vom Hausmeister. Eine geschmückte Kiefer mit „Krimskrams“ („Matchbox-Autos“, „Schmuck“, „Star-Wars-Figuren“, „Naschreste von Halloween“…). „Der Artikel in der Zeitung lobte die ´originelle Idee, die so viel zeitgemäßer ist als die klimaschädliche Lichtverschmutzung durch lange Lichterketten…´“. Dann zieht ein neuer Hausmeister ein, der ein „schrill angemaltes“ Auto fährt mit der Aufschrift „Peace & Love“ („Frieden und Liebe“). Er ersetzt „den Treppenputzplan und die Hausordnung“ durch einen neuen Aushang, u.a. mit Regeln für ein friedliches Miteinander und sozialen Empfehlungen für Obdachlose. Auf einer Fahrt zum Tierheim lässt der neue Hausmeister die Kinder auf die Ladefläche seines Lastwagens klettern. Als eines der Kinder fragt: „Müssen wir uns nicht anschnallen?“ sagte er: „Man darf die Regeln auch nicht zu streng auslegen.“ – Ist den Kalendermachern klar, was damit vermittelt wird? Sind Ordnung (Reinigung des Hauses) und das Einhalten von Regeln (das Anlegen des Sicherheitsgurtes) nicht wichtig? Und wird bewusst in Kauf genommen, dass Gottes Wort vollkommen auf der Strecke bleibt?

Der abschließende Wunsch des „Andere-Zeiten-Teams“: „…wir wünschen dir, dass dich jeden Tag ein guter Engel begleitet und behütet. Hab ein gutes Jahr voller Glück und Segen!“ – Wozu braucht es also noch Jesus Christus? ER und SEIN Heilsplan werden völlig ausgeblendet. Das ist wohl der vorprogrammierte Sinn des Kalenders Der andere Advent. Einen solchen Advent aber hat die Welt schon zur Genüge. Schade um die Tonnen Papier, die für mehr als eine halbe Million Kalender gebraucht werden. Deren Einsparung wäre ein würdiger Beitrag für echten Umweltschutz!

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