20. Juli 2019

Gauland fordert Parteiausschluß von Landeschef mit NPD-Vergangenheit

Quelle: jungefreiheit.de

BERLIN. AfD-Chef Alexander Gauland hat im Fall des AfD-Landesvorsitzenden von Mecklenburg-Vorpommern, Dennis Augustin, scharfe Konsequenzen angekündigt. „Hier muß ein Parteiausschlußverfahren eingeleitet werden”, sagte Gauland am Donnerstag dem Nordkurier. Die zuständigen Gremien würden sich damit befassen.

Das Blatt hatte am Mittwoch berichtet, daß Augustin 1989 ein Ausbildungslager der NPD besucht hatte. Er sei damals Grundlehrgangsbester geworden und habe deshalb eine Urkunde vom späteren NPD-Chef Udo Voigt überreicht bekommen. Fotos davon waren demnach im Parteiorgan Deutsche Stimme erschienen. Augustin wird dem rechten Rand der Partei zugeordnet.

Der AfD-Politiker bestätigte Donnerstag früh die Berichte teilweise. „Ja, ich habe mich vor 30 Jahren mal von Gleichaltrigen mitreißen lassen und mir verschiedene Dinge angeschaut. Und dabei bin ich auch mal mit nach Italien gefahren und habe eine Urkunde bekommen“, teilte er auf Facebook mit. Er sei damals 19 Jahre alt gewesen und „junge Menschen machen Fehler“, ergänzte er. Er sei später allerdings „über Jahrzehnte überhaupt nicht politisch aktiv“ gewesen.

Co-Vorsitzender Holm fordert Rücktritt

Die Frage, ob er Mitglied der NPD oder ihrer Jugendorganisation Junge Nationalisten gewesen sei, beantwortete Augustin nach Angaben des Nordkuriers nicht. Bei den sogenannten Ausbildungslagern in Oberitalien hätten nach Angaben ehemaliger NPD-Funktionäre nur Mitglieder teilnehmen dürfen.

Der Co-Vorsitzende der mecklenburg-vorpommerschen AfD, Leif-Erik Holm, forderte indes den Rücktritt seines Amtskollegen Augustins. „Augustin sollte jetzt selbst die Reißleine ziehen, um den bereits entstandenen Schaden für die Partei nicht noch weiter zu vergrößern”, sagte Holm der Zeitung. Sollte er das nicht tun, müßte sich der AfD-Landesvorstand kommende Woche mit dem Fall befassen. „Es ist sehr enttäuschend, daß unsere Parteimitglieder auf diese Weise von der Vorgeschichte Dennis Augustins erfahren müssen.”

Gedeon relativiert rechtsextremistischen Terror

Unterdessen hat der baden-württembergische AfD-Politiker Wolfgang Gedeon die politische Bedeutung des rechtsextremistischen Terrors relativiert gestellt. Es gebe natürlich Extremismus auf allen Seiten, auch gewalttätigen, sagte Gedeon laut der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag im Stuttgarter Landtag.

„Aber wenn wir die Sache politisch sehen, dann müssen wir ganz klar sagen: Im Vergleich zum islamistischen Terror und auch im Vergleich zum linksextremistischen Terror ist politisch gesehen in Deutschland der rechtsextremistische Terror ein Vogelschiß.“ Gedeon ist nach den Antisemitismusvorwürfen gegen ihn im Jahr 2016 zwar Parteimitglied geblieben, aber nicht mehr Teil der AfD-Fraktion im Landtag. (ls)

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