15. Dezember 2018

Kontroverse um Kampagne für Lebensschutz

Quelle: idea.de

Die saarländische Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Foto: PR

Die saarländische Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Foto: PR

Saarbrücken (idea) – Während eine Lebensrechtskampagne im Saarland bei kirchlichen Kreisen auf Kritik stößt, erhält sie Rückendeckung aus der Politik. Die christliche Initiative „Durchblick“ (Östringen bei Karlsruhe) verteilt seit dem 17. August in dem Bundesland 300.000 Embryonenmodelle.
 

Sie zeigen ein ungeborenes Kind in der 10. Schwangerschaftswoche. Mit der Aktion will der Verein für ein Ja zum Kind werben. Sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche distanzierten sich zunächst von der Aktion. So heißt es in einer Stellungnahme des Bistums Trier, man halte die Verteilung der Plastikembryonen „nicht für den geeigneten Weg, um auf die Würde und den Schutz des ungeborenen Lebens und die Problematik von Abtreibungen hinzuweisen“. Der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-Ost, Gerhard Koepke (Ottweiler), sagte laut Medienberichten, das Geld für die Versandaktion wäre sinnvoller in die Präventionsarbeit oder soziale Projekte für junge Mütter investiert worden. In einer Stellungnahme des Bistums Trier hieß es erst, man halte die Verteilung der Plastikembryonen „nicht für den geeigneten Weg, um auf die Würde und den Schutz des ungeborenen Lebens und die Problematik von Abtreibungen hinzuweisen“. Nach heftiger Kritik am Bistum sowie „internen Diskussionen“ korrigierte es am 20. August seine Haltung: Man halte die Aktion zwar für provokant, sehe aber keine Veranlassung, sie abzulehnen.

Familienministerin: Es läuft etwas schief

Auf die Kritik reagierte die saarländische Familienministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mit Unverständnis. In der Gesellschaft laufe einiges schief, wenn sich die Öffentlichkeit „nicht mit 1.278 Abtreibungen allein im Saarland beschäftigt, sondern über eine Kampagne zum Thema aufregt“. Die eigentliche Frage sei, wieso sich in einem der reichsten Länder der Welt so viele Menschen nicht in der Lage sähen, ein Kind zur Welt zu bringen und großzuziehen.

Evangelische Allianz lobt die Aktion

Die Vorsitzende der Evangelischen Allianz im Saarland, Ingrid Schemer (Neunkirchen), begrüßte die Kampagne: Sie konzentriere sich auf die Vermittlung der Fakten und sei „in keinster Weise verurteilend“. Es gehe darum, ein Bewusstsein dafür zu wecken, dass es sich auch bei einem Embryo schon um einen vollwertigen Mensch handle. Die Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben (CDL) im Saarland, Irene Schäfer (Püttlingen), sagte gegenüber idea, man sollte alle Wege nutzen, um für das Leben zu werben. Es sei zwar möglich, dass einzelne Frauen beim Ansehen des Embryonenmodells Schuldgefühle bekämen, weil sie abgetrieben hätten. Wenn das begangene Unrecht erkannt oder Leben gerettet würde, sei die Aktion aber zu begrüßen. Sie selbst habe schon viele Frauen nach einer Abtreibung begleitet, die durch die Gespräche wieder „ihren Frieden“ gefunden hätten, so die Diplom-Psychologin.

Die meisten Reaktionen kritisch

Der Verein „Durchblick“ gibt sich angesichts der öffentlichen Kritik gelassen. Damit habe man gerechnet, so der Vorsitzende Thomas Schührer. Dank der Berichterstattung in den Medien bekomme das Thema zusätzliche Aufmerksamkeit. Bislang habe man etwa 130 Reaktionen per E-Mail erhalten, von denen knapp zwei Drittel negativ waren. Das Thema Abtreibung wühle die Leute auf, so Schührer. Wenn die Kampagne Leben rette und Frauen vor einem Trauma nach einer Abtreibung bewahre, sei dies ein Erfolg.