18. Dezember 2018

Pakistan: Taliban töten drei ausländische Fluthelfer

Quelle: idea.de

Pakistan: Die Ermordeten arbeiteten für eine christliche Organisation.

Pakistan: Die Ermordeten arbeiteten für eine christliche Organisation.

Islamabad (idea) – In Norden Pakistans haben Mitglieder der radikal-islamischen Taliban ihre Drohung wahrgemacht und ausländische Fluthelfer ermordet.
 

Am 25. August fanden Soldaten im Swat-Tal die Leichen von drei Mitarbeitern einer christlichen Organisation. Das berichten mehrere Nachrichtenagenturen. Aus Sicherheitsgründen wurden bisher weder die Organisation noch die Namen der Ermordeten genannt. Man wolle eine Panik unter den Ausländern vermeiden. Nach Angaben des christlichen Informationsdienstes Compass Direct (Santa Ana/USA) waren die Helfer am 23. August mit einem Fahrzeugkonvoi unterwegs, als sie von Taliban überfallen wurden. Dabei seien mindestens fünf freiwillige Helfer verletzt und drei weitere verschleppt worden. Am Morgen des 25. August hätten pakistanische Soldaten die Leichen der Entführten in der Nähe der Stadt Mingora gefunden, berichtete der für die Swat-Region zuständige Koordinator Atif-ur-Rehman. Die Toten seien inzwischen nach Islamabad gebracht worden. Der Agentur BosNewsLife (Budapest/Ungarn) zufolge handelt es sich bei den Ermordeten um US-Amerikaner. Laut Rehman wollen die Taliban die christlichen Organisationen aus dem Norden Pakistans vertreiben, damit sie mit eigenen Hilfsaktionen Sympathie bei der Bevölkerung erwerben. Aufgrund zahlreicher Gewaltdrohungen haben die Hilfsorganisationen ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Einen Rückzug lehnen sie ab. Die katholische Organisation Caritas international, für die auch drei Deutsche in Pakistan tätig sind, hat ihre Vorsichtsmaßnahmen inzwischen verstärkt. Die Diakonie Katastrophenhilfe arbeitet mit einheimischen Mitarbeitern, teilte Pressereferent Rainer Lang idea mit.

Klage über Benachteiligung von Christen

Unterdessen hat der Präsident der pakistanischen Menschenrechtsorganisation „Leben für alle“, Rizwan Paul, beklagt, dass Christen in den Flüchtlingslagern bei Maralla, Narowal und Shakargarh in der Punjab-Region keine Hilfe bekämen. In den von den UN verwalteten Lagern würden ihnen Zelte, sauberes Wasser und Essen vorenthalten. Die Christen würden „völlig übersehen“, so Paul gegenüber Compass direct. Auf Beschwerden seiner Organisation hätten weder die UN-Verantwortlichen noch pakistanische Behörden reagiert. In anderen Orten bekämen Christen keinen Zugang zu staatlichen Flüchtlingslagern. Im Norden Pakistans, wo die meisten christlichen Organisationen tätig seien, würden alle Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit versorgt. Der Vizepräsident von „Leben für alle“, Kashif Mazhar, nannte es enttäuschend, dass christliche Organisationen allen Flutopfern helfen, während Christen in vielen Landesteilen nicht einmal Zugang zu Flüchtlingslagern erhielten oder ihre Nöte einfach ignoriert würden. UN-Experten schätzen, dass mehr als 20 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen seien. Mindestens acht Millionen Menschen seien auf Soforthilfe angewiesen. Von den 174 Millionen Pakistani sind etwa 95 Prozent Muslime, zwei Prozent Christen, zwei Prozent Hindus und der Rest Sikhs, Buddhisten und Anhänger anderer Religionen.