21. November 2018

Türkischer Premier sagt Religionen Gleichbehandlung zu

Quelle: idea.de

erdogan_recep_4x3_03Istanbul (idea) – Der türkische Premierminister Recep Tayipp Erdogan hat den religiösen Minderheiten in dem überwiegend muslimischen Land Gleichbehandlung zugesagt. Es sei unerlässlich, allen 71,5 Millionen Einwohnern mit Respekt und Liebe zu begegnen, sagte er nach einem Mittagessen mit christlichen und jüdischen Religionsführern am 15. August in Istanbul.

Erdogan sprach sich gegen jede Form von religiösem Nationalismus aus. Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN räumte er ein, dass es noch Mängel bei der Gleichbehandlung religiöser Minderheiten gebe. Daran werde man im Zuge der Demokratiereformen arbeiten. Die EU drängt im Zusammenhang mit den Beitrittsverhandlungen auf eine Verbesserung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in der Türkei. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Von den Christen sind etwa 65.000 armenisch-orthodox, 20.000 römisch-katholisch, 2.000 griechisch-orthodox und etwa 4.000 protestantisch, vor allem evangelikaler Prägung. Vielfach handelt es sich um Konvertiten vom Islam. Ferner leben in der Türkei rund 23.000 Juden. An dem Gespräch nahmen das Ehrenoberhaupt der Orthodoxen, der Ökumenische Patriarch Bartholomäus I., der armenisch-apostolische Erzbischof Aram Atesyan, der syrisch-orthodoxe Metropolit Yusuf Cetin sowie Oberrabbiner Ishak Haleva teil.

Evangelikale beklagen Gewalt

Die Orthodoxen fordern unter anderem die Wiedereröffnung des 1971 geschlossenen Priesterseminars auf der Insel Chalki. Die katholische Kirche legt Wert darauf, dass weiter christliche Gottesdienste in der Pauluskirche zu Tarsus gefeiert werden können. Dort wurde vor 2.000 Jahren der Völkerapostel Paulus geboren. Papst Benedikt XVI. hatte aus diesem Anlass ein Paulus-Jahr von Juni 2008 bis Juni 2009 ausgerufen. Evangelikale beklagen teilweise gewalttätige Übergriffe nationalistisch gesinnter extremistischer Muslime. Die bisher schlimmste Ausschreitung ereignete sich am 18. April 2007 im Zirve-Verlag von Malatya, der Bibeln in türkischer Sprache druckt. Dort wurden drei Christen gefesselt, gefoltert und umgebracht. Bei den Opfern handelte es sich um den Deutschen Tilmann Geske sowie die Türken Necati Aydin und Ugur Yuksel.