21. November 2018

Empörung über ZDF-Beitrag zu Evangelikalen wächst

Quelle: idea.de

zdf_frontal21_brake09_01Mainz (idea) – Das ZDF erhält immer mehr Beschwerden wegen eines am 4. August ausgestrahlten Beitrags über evangelikale Missionare. Unter dem Titel „Sterben für Jesus – Missionieren als Abenteuer“ waren in dem Magazin „Frontal 21“ Missionare mit islamistischen Selbstmordattentätern verglichen worden.

„Der Beitrag hat polarisiert“, teilte die ZDF-Pressestelle auf idea-Anfrage mit. Es habe „etliche kritische Anrufe, Mails, Briefe und Faxe“ gegeben. Nähere Angaben wollte eine Sprecherin des Senders nicht machen. In der Moderation zu dem Beitrag hatte es geheißen: „Bereit sein, für Gott zu sterben: Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten.“ In dem Beitrag wurde die Ansicht vertreten, dass es eine „lange, unheilige Tradition“ gebe, für Gott als Märtyrer zu sterben. „Auf dem Missionarsfriedhof in Korntal liegen jene, die den Evangelikalen noch heute als Vorbild dienen.“ Hintergrund des Beitrags war die Ermordung von zwei Studentinnen der Bibelschule Brake und einer Südkoreanerin Mitte Juni im Jemen. Sie hatte dort ein Krankenhaus-Praktikum absolviert. Die Bibelschule, die Evangelische Brüdergemeinde Korntal bei Stuttgart und der Geschäftsführer des Christlichen Medienverbundes KEP, Wolfgang Baake (Wetzlar), legten Programmbeschwerden bei ZDF-Intendant Markus Schächter (Mainz) ein. Sie werfen der „Frontal 21“-Redaktion vor, evangelikale Christen und Missionswerke diffamiert, falsche Behauptungen aufgestellt und Rechtsbrüche begangen zu haben. Journalisten hätten sich als Studenten ausgegeben und mit verdeckter Kamera gedreht.

Brake: Interviewte waren keine Bibelschüler

In dem Beitrag bejahen als „Kursteilnehmer“ der Bibelschule Brake bezeichnete Jugendliche die Frage mit „Ja“, ob sie bereit seien, für die Mission ihr Leben zu geben. Bei den interviewten 14 und 15 Jahre alten Teenagern handele es sich aber gar nicht um Bibelschüler, so die Ausbildungsstätte. Sie seien mit ihren Eltern lediglich Gäste auf dem Gelände gewesen. Darauf seien die ZDF-Mitarbeiter hingewiesen worden. Auch die Evangelische Brüdergemeinde Korntal wirft dem Fernsehmagazin vor, falsche Tatsachenbehauptungen aufzustellen. So gebe es keinen „Missionsfriedhof“ in Korntal. Auf dem gezeigten Friedhof seien zwar Pioniere der Weltmission bestattet, davon könne man aber niemand als „Märtyrer“ bezeichnen. „Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen (AEM), Detlef Blöcher (Sinsheim bei Heidelberg), übte ebenfalls scharfe Kritik an der „platten Polemik“ des Beitrags. Das Engagement junger Christen für Notleidende habe „nichts mit Todessehnsucht oder Selbstmordkommando zu tun, wie die Autoren böswillig unterstellen“.

„Frontal 21“ weist Vorwürfe zurück

Der Redaktionsleiter von „Frontal 21“, Claus Richter, wies die Vorwürfe zurück. Er halte den Vergleich evangelikaler Missionare mit islamischen Fundamentalisten für gerechtfertigt. „In beiden Fällen haben wir es mit absolut überzeugten – man kann auch sagen – fanatischen Gläubigen zu tun, die bereit sind, für ihren Glauben zu sterben“, sagte er auf idea-Anfrage. Zugleich wandte er sich gegen eine Missionsarbeit, die sich als Hilfswerk tarne. Dies sei nach internationalen Regeln nicht erlaubt, da dadurch Mitarbeiter von Hilfswerken gefährdet würden. Das Drehen mit verdeckter Kamera bezeichnete Richter als „legitimes und legales Mittel“, um an Informationen zu gelangen, die man auf andere Weise nicht erhalten hätte.

Kein Kommentar von der EKD

Von der EKD war zu dem umstrittenen Beitrag keine Stellungnahme zu erhalten. Sowohl der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber (Berlin), als auch der Präsident des EKD-Kirchenamtes, Hermann Barth (Hannover), befinden sich im Urlaub. Barth ist Mitglied des ZDF-Fernsehrates. EKD-Pressesprecher Reinhard Mawick wollte sich auf idea-Anfrage nicht äußern. Man könne nicht zu jedem Medienbeitrag über Evangelikale Stellung nehmen, sagte er.