18. November 2018

EKD-Ratsmitglied protestiert gegen ZDF-Beitrag

Quelle: idea.de

Gudrun Lindner: Christen sind keine Terroristen.

Gudrun Lindner: Christen sind keine Terroristen.

Weissbach/Mainz (idea) – Erstmals hat jetzt ein EKD-Ratsmitglied gegen einen umstrittenen Beitrag des ZDF-Magazins „Frontal 21“ über evangelikale Missionsarbeit protestiert.

 
In der Sendung vom 4. August waren missionarisch engagierte Christen mit islamischen Selbstmordattentätern verglichen worden. „Bereit sein, für Gott zu sterben. Das klingt vertraut – bei islamischen Fundamentalisten. Doch auch für radikale Christen scheint das zu gelten“, sagte Moderatorin Hilke Petersen. In dem Magazinbeitrag hieß es ferner, es gebe eine „lange, unheilige Tradition“, für Gott als Märtyrer zu sterben. Der Beitrag löste eine Welle der Empörung auf. Eine Reihe evangelikaler Organisationen und Personen richtete Programmbeschwerden an den ZDF-Intendanten Markus Schächter, weil die Sendung Evangelikale diffamiere und falsche Behauptungen aufstelle. EKD-Ratsmitglied Gudrun Lindner (Weißbach/Erzgebirge) äußerte sich in einem Brief an Schächter „entsetzt“ über den Beitrag: „Ausgerechnet von einem öffentlich-rechtlichen Sender werden ideologische Mauern errichtet.“ Wenn man Christen überhaupt „radikal“ nennen könne, dann seien sie es zuerst gegen sich selbst und freiwillig, indem sie „ganz und gar der Friedens- und Hilfsbotschaft Jesu“ folgten. „Christen sind keine Attentäter und keine Terroristen. Wo sie es in der Vergangenheit waren, konnten sie sich nicht auf Christus berufen“, so die frühere Präsidentin der sächsischen Landessynode.
 

Bitte keine Häme!
Lindner erinnerte Schächter an dessen Besuch beim Rat der EKD: „Ich hoffe, Sie haben dem damaligen Gespräch die wohlwollende Unterstützung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens durch die Evangelische Kirche entnehmen können.“ Diese Unterstützung gelte insbesondere einer gut recherchierten Berichterstattung und eines toleranten Miteinanders. „Häme und Diskreditierung gehören nicht dazu“, so Lindner. Ihre Bitte an Schächter: „Sorgen Sie bitte für ein Zweites Deutsches Fernsehen, dass die Bezeichnung ‚öffentlich-rechtlich’ weiterhin verdient!“

Nimmt nur die sächsische Kirche Anstoß?
Proteste führender Kirchenvertreter sind bisher nur aus Sachsen bekannt geworden. Vor Lindner hatte der sächsische Landesbischof Jochen Bohl (Dresden) scharfe Kritik an dem Beitrag von Frontal 21 geübt und eine Richtigstellung gefordert. Vor dem Hintergrund der Ermordung von zwei deutschen Bibelschülerinnen im Juni im Jemen erklärte er, die verbale Gleichsetzung von Selbstmordattentätern mit Ermordeten sei „eine nicht zu akzeptierende Entgleisung“. Vom EKD-Kirchenamt in Hannover war auf idea-Anfrage keine Stellungnahme zu dem Beitrag zu erhalten.